Die Bedeutung der bleiverglasten Farbfensterbilder in der Stadtkirche zu Lauscha Schaltfläche
Bei der Gestaltung der Farbglasfenster ging es den damaligen Kirchenvorständen, dem Pfarrer Oberländer, den Spendern und vor allem dem Architekten Julius Zeißig aus Leipzig sowie dem Kunstmaler Karl Schulz aus Dresden darum, dass der Glaube in seiner Gesamtheit sowie in seiner Bedeutung bildlich dargestellt wird. Der Betrachter der farbigen Fenster in der evangelisch/lutherischen Kirche zu Lauscha wird dazu angehalten, in sich zu gehen, aber auch nachzudenken und die heutigen Gegebenheiten nicht einfach so hinzunehmen. Das ist die Besonderheit unserer Glasbläserkirche. Sieben Fenster wurden 1910/11 in nur 8 Monaten entworfen, befürwortet, finanziert, in der Kunstwerkstatt Urban aus Dresden gefertigt, mit der Eisenbahn von Dresden nach Lauscha transportiert und in der Kirche in systematischer Reihenfolge nach einem gut durchdachten Fensterbildkonzept eingebaut. Drei Fenster entwarf und gestaltete die Firma Knoch & Lysek für das Portal und ein Fenster fertigte Fotograf Hirsch, welcher einst in Lauscha zu Hause war, an. Dieses ist in der neu restaurierten Sakristei zu sehen.  Auf der rechten Seite vom Chor aus sehen  wir die Fensterbilder mit der Geburt Jesus Christus, seinem Wirken bis zu seiner Kreuzigung unter dem Gesichtspunkt des christlichen Glaubens : „ Was Gott für uns tat“. Auf der anderen Seite  nach Süden hin zeigen uns die Fensterbilder: Christus im Gespräch mit Nikodemus, Die Errettung Petri , Jesus im Sturm,  der barmherzige Samariter und Christus am Ölberg mit dem Engel Lechitiel: „Was wir für Gott tun sollen“. Im unteren Kirchenschiff sind Medaillonfenster mit Darstellungen von Persönlichkeiten aus der Kirchengeschichte zu sehen. Diese wurden den oberen Fensterbildern entsprechend zugeordnet, so daß die Fensterbilder in ihrer Gesamtheit eine biblische und geschichtliche Einheit bilden. Keines der Fenster wurde spontan oder unüberlegt angebracht. In der Taufkapelle sehen wir die Taufe Christi durch Johannes den Täufer und „ Lasst die Kinder zu mir kommen“. Dr. Bertram Lucke bewertet dieses Fensterbildkonzept der Jugendstilkirche Lauscha als einmalig im Südthüringer Raum. Nicht nur in der Passionszeit  ist es wichtig, inne zu halten und unsere Kirche zu besuchen. Gerade das Fensterbild Das Leiden und die Todesangst Jesu am Ölberg:  mit dem Spruch aus dem Buch Joshua „Ich lasse dich nicht“  und mit Lechitiel, dem Engel mit dem bitteren Kelch, bringt vieles zum Ausdruck und bewegt so manchen Betrachter. Bei Kirchenführungen werde ich ständig gefragt, warum unter dieser bildlichen Darstellung aus dem Neuen Testament Teile eines  Bibeltextes aus dem Alten Testament  „Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht“. (Joshua 1.5) zu lesen sind. Joshua * 1355 v.Ch. - +1245 v. Ch. war der Sohn von Nun und führte die Israeliter bei der Eroberung des Landes Kanon an. Er wurde von Gott als Nachfolger Moses bestimmt und hielt getreu die Gebote Gottes ein.  Wenn wir uns n Gott binden, sind wir  unter allen Lebensumständen frei das zu tun, was dem Leben dient. Das bedeutet, dass wir uns gerade heute für christliche Nächstenliebe stark machen müssen! Auf Gottes Beistand, auf seine Gerechtigkeit und Hilfe können wir vertrauen. Nur so ist es möglich, mit allen Menschen in Frieden und Sicherheit zu leben! Die Zusage Gottes tut uns gut und es lohnt sich, wenn für das eigene Leben Entscheidungen oder Veränderungen anstehen. Es wünschen sich viele, dass im Wandel der Zeit jemand da ist, der zuverlässig unseren Weg von Geburt an bis zum Tod begleitet. Egal was geschieht! Egal, wohin du gehst! Auch Jesus beschritt diesem Weg mit Todesängsten, aber auch mit Hoffnung und Zuversicht. Auf dem Fensterbild kniet er vor Lechitiel. Der Ölbergengel reicht ihm den bitteren Kelch, tröstet aber Jesus Christus, welcher entsetzliche Ängste und Leiden ohne Beistand seiner Jünger durchlebt. Jeder von uns hat schon aus dem bitteren Kelch getrunken. Jeder von uns war oft allein und hat auch Not, Elend, Krankheit und Tod  geschmeckt. Gerade das macht diese biblische Darstellung auf dem Fensterbild so aussagekräftig und wahrheitsgetreu. Nicht von ungefähr sehen wir gegenüber die Kreuzigung Jesus mit dem Spruch „Lasst Euch versöhnen mit Gott“. Ängste und Tod sind hier eng verbunden mit Glaube, Hoffnung und Zuversicht. Nur ein fester Glaube an Gott sowie an Jesus Christus hilft uns, wenn wir  verlassen und verzweifelt sind oder vor Not und Elend fast zugrunde gehen.
 
Konrad Dorst