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Sebastiankirche Lichtenhain bei Gräfenthal

KIRCHENFÜHRUNG durch die DORFKIRCHE zu LICHTENHAIN bei Gräfenthal

von Pfr. Gerhard Zimmermann

Einleitung

Eine Kirchenführung ist häufig wie ein Blättern in einem alten Geschichtsbuch, es werden einem viele Zahlen und Informationen gegeben. Die Kirchenführung durch die Lichtenhainer Kirche gleicht allerdings eher dem Betrachten eines unvollständigen Puzzlebildes. Es gibt große weiße Lücken und eine Reihe kleiner Details und man kann nur mit viel Phantasie ein ungefähres Gesamtbild ihrer Geschichte gewinnen. Der Eindruck dieser barocken Dorfkirche aber spricht für sich und zieht den Betrachter in seinen Bann.

1. Alter der Kirche

Die erste Frage lautet, wie alt ist diese Kirche? Wir wissen es nicht. Wahrscheinlich stammt der jetzige Bau aus dem Jahr 1703 oder 1704. Auf der Kirchturmspitze ist das Jahr 1714 zu lesen, aber es bezieht sich wahrscheinlich auf die Fertigstellung des Turmes. Andererseits wird behauptet, der Turm sei in den ältesten Teilen wesentlich älter als das Kirchenschiff. In der jetzigen Gestalt ist es aber zweifelsfrei eine Barockkirche.

2. Die Vorgängerkirche

Es steht außer Frage, daß es schon vorher eine ältere Kirche in Lichtenhain genau an dieser Stelle gegeben hat. Auf der Karte des Nürnberger Kartographen Pfinzing von 1595 ist im Dorf Lichtenhain eine Kirche abgebildet. Außerdem existieren alte Kirchrechnungen der Kirchengemeinde Lichtenhain, die bis zum Jahr 1541 zurückgehen und die Existenz einer Kirche belegen. Gewiß stand die Kirche aber schon in vorreformatorischen Zeiten. 1525 führte Sebastian von Pappenheim, ein Anhänger Luthers, in der Herrschaft Gräfenthal die Reformation durch. Zuständig für das Dorf Lichtenhain war damals der Pfarrer von Großneundorf, Johannes Reichenbach. Bei der Kirchenvisitation von 1529, durchgeführt vom Saalfelder Superintendent Agricola und von Philip Melanchthon, wird über diesen Pfarrer die Beurteilung niedergeschrieben: “... ist ganz ungelehrt befunden, hat sich aber erboten, einen gelehrten Kaplan zu halten.“ Daß schon vor der Reformation eine Kirche existiert hat, dafür gibt es mehrere Hinweise: so ist belegt, daß die Kirche dem Heiligen Sebastian geweiht war, eine Statue des Heiligen befand sich noch lange Zeit in der Kirche, wurde aber leider an einen Pfarrer im 19. Jahrhundert verkauft und ist verloren. Auch wird noch im „Lehfeldt“ ein Altar aus der Zeit um 1500 beschrieben, der die 14 Nothelfer zeigte. Schließlich wird behauptet, daß der jetzige Altar der Kirche ein Steinmetzzeichen trage, das aus dem  Mittelalter stamme.

3. Geschichte des Ortes und der Kirchspielzugehörigkeit

Erstmals erwähnt wird der Ort Lichtenhain im Teilungsvertrag der Grafen von Orlamünde im Jahr 1414. So wird mit einer Gründung der Siedlung Ende des 14. Jahrhunderts zu rechnen sein. Lichtenhain hat stets zur Herrschaft Gräfenthal gehört, heute ist es in die Stadt Gräfenthal eingemeindet. Ursprünglich gehörte  Lichtenhain kirchlich zur Pfarrei Marktgölitz, 1450 dann zum neugegründeten Kirchspiel Großneundorf bei Gräfenthal, zu dem 17 Orte gehörten. 1722 wurde das Kirchspiel Spechtsbrunn gegründet, diesem wurde dann die Kirchengemeinde Lichtenhain zugeordnet, so ist es bis zum heutigen Tag geblieben. Lichtenhain war immer ein Bauerndorf von bescheidenen Verhältnissen und Ausmaßen. Es hat heute ungefähr 180 Einwohner und 110 Kirchenmitglieder.

4. Das Innere der Kirche

Der besondere Charakter der Lichtenhainer Kirche ist geprägt durch die barocke Ausstattung in bemaltem Holz an Emporen, Gestühl, Kanzelaltar und Decke. Es ist eine einfache dörfliche Malerei, die durch ihre gedeckten dunkelgrünen Farbtöne eine so ansprechende warme Athmosphäre in der Kirche hervorruft.

Drei Besonderheiten der Innenausstattung sind hervorzuheben.

Höchst ungewöhnlich ist die Stellung der Orgel auf der Empore links über dem Altarraum. Über Alter und Herkunft der Orgel ist nichts bekannt. Es ist ein kleines mechanisches Werk mit ... Registern.

Eine weitere Besonderheit ist der Taufengel. In den Kirchen rund um den Rennsteig entstanden in der Barockzeit etliche Taufengel, davon sind heute noch 6 erhalten. Auf den Händen hält er ein Tablett, auf das die Taufschale gestellt wird. Außerdem erkennt man, daß früher auf dem Kopf noch ein Brett angebracht war, daß also der Engel früher gleichzeitig als Lesepult verwendet wurde; dies ist bei dem Spechtsbrunner Taufengel noch heute vorhanden. Der Engel stammt aus der Zeit um 1750, die ursprüngliche Farbfassung wurde später übermalt. Vor 2 Jahren wurde der Engel in Erfurt restauriert.

Eine dritte Besonderheit sind die zahlreichen Engel, die in der Lichtenhainer Kirche zu sehen sind. Man möchte meinen, daß man hier wohl besonders nahe dem Himmel ist, oder daß man sich besonders um die Hilfe und den Schutz der himmlischen  Wesen bemühte. Jedenfalls sind zwei Engelsskulpturen zu beiden Seiten der Kanzel und noch zwei Engel über der Kanzel zu sehen, sowie zwei Engelsköpfe seitlich am Altar. Nach der in Thüringen üblichen Bauweise sind Altar und Kanzel miteinander verbunden. Auf dem Altarbild ist das Abendmahl abgebildet, auf den drei Kanzelfeldern Petrus, Christus und Paulus. Über dem Kanzelaltar befindet sich das Fürstenwappen der Wettiner mit der Inschrift JEHZS, d.h. Johann Ernst, Herzog zu Sachsen-Coburg-Saalfeld. Dieser Fürst hat die Renovierung der Lichtenhainer Kirche finanziell unterstützt und wurde dafür auf diese Weise verewigt. Genau dieselben Initialen JEHZS finden sich auf dem Kirchturm mit der Jahreszahl 1714. Das durch Wasser etwas beschädigte Deckengemälde zeigt Dreieinigkeit Gottes, oben den Heiligen Geist als Taube, links Christus mit Kreuz und rechts Gottvater mit der Weltkugel. Schön auch die durchbrochenen Gitter am Geistlichenstand rechts vorn im Altarraum.

5. Die Glocken

Die Lichtenhainer Kirche ist mit zwei Glocken ausgestattet. Die größere Glocke ist 1761 von Joh. Mayer in Rudolstadt gegossen und trägt die Inschrift des Fürsten Franz Josias. Die kleinere Glocke wurde nach dem Krieg angeschafft für eine abgegebene, sie wurde 1951 von Franz Schilling & Sö. in Apolda gegossen.