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Die Stadtkirche Neuhaus am Rennweg
 
"Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben ..."

Die Neuhäuser Kirche ist eine der größten Holzkirchen in Thüringen. Sie wurde am 28. August 1892 eingeweiht.

An der Ecke des Jagdhauses (heute Stadtverwaltung) entstand 1673 zunächst eine kleine Barockkirche. Diese wurde neben der kleinen Gemeinde vom Landesvater Graf Albert-Anton von Schwarzburg-Rudolstadt und seiner Gemahlin Gräfin Aemilie-Juliane genutzt.

Die Pfarrei Schmalenbuche wurde 1683 gegründet. Zum Kirchspiel Neuhaus gehörten die Orte Lichte, Geiersthal, Fischbachwiese, Habichtsbach und Scheibe-Alsbach. Die alte Holzkirche wurde mehrfach erneuert und vergrößert, bis sie den Anfoderungen einer wachsenden Einwohnerschaft nicht mehr entsprach.

Für einen Neubau der Kirche setzte sich der 26-jährige Pfarrer Hilmar Scheller ein. Die Baukosten übernahm der Fürstlich Schwarzburg-Rudolstädtische Staat. Baurat Brecht, Architekt der Fürsten Georg und Günther Viktor von Schwarzburg-Rudolstadt, erarbeitete die Planung und überwachte die Bauausführung durch heimische Gewerke.

Es entstand eine Holzkirche nach Vorbild der englischen Gotik. Anfangs trug die Kirche reich verzierte Dachgaupen, welche nach der Jahrhundertwende aus Witterungsgründen wieder entfernt werden mussten. An die alte Kirche, die 1894 abgetragen wurde, erinnert eine Tafel zur Friedensfeier am 18. Juni 1871 (sie ist an der Emporenbrüstung angebracht).

Ein Glockenturm mit drei Schlagglocken befindet sich neben der Kirche.

In große Gefahr geriet die Holzkirche im April 1945. Als die Amerikaner heranrückten, schlugen rings um die Kirche Granaten ein. Dabei wurden 30 Gebäude zerstört und 10 Todesopfer waren zu beklagen. Die Kirchenfenster wurden schwer beschädigt und mancher Granatsplitter sitzt heute noch im Gebälk, aber das Gotteshaus blieb uns erhalten.

 Unsere Holzkirche ist im Inneren eine erzählende Kirche. Die Worte Jesu aus Johannes 15, 5: "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben ...", wurden architektonisch umgesetzt. Wenn Sie sich Zeit nehmen, dann entdecken Sie bestimmt Ornamente von Weintrauben, Blätter und Reben.

Das Altarbild zeigt einen frühen Druck der "Kreuzabnahme" von Peter Paul Rubens. In der ehemaligen Taufkapelle, rechts neben dem Altar, befinden sich die Gedenktafeln beider Weltkriege.

Carl Loesche, Orgelbaumeister aus Rudolstadt, fertigte die Orgel mit neogotischem Gehäuse im Jahre 1891 an. 1974 wurde sie durch einen Neubau der Firma Rudolf Böhm aus Gotha ersetzt. Die 13 Register mit drei Spielhilfen auf zwei Manualen und mit mechanischem Schleifladen entsprechen den Anforderungen an ein modernes Orgelwerk.

1979 begann die Kirchengemeinde, im hinteren Kirchenschiff eine Winterkirche einzubauen, welche 1986 ein Orgelpositiv erhielt.

Grundlegende Sanierungen in Dach und Fach fanden ab 1994 statt. Eine moderne Bankheizung ersetzte die alte Kohleheizung und ein Sanitäranschluss erweiterte die Nutzung unserer Kirche. Die umfangreiche Fenstersanierung wurde im Jahr 2006 beendet. Trotzdem müssen weitere Reparaturen im Inneren der Kirche durchgeführt werden.

Unsere Neuhäuser Holzkirche ist ein ökumenisches Haus und wird auch von der katholischen Pfarrgemeinde genutzt. Die Christen dieser Stadt sind sehr dankbar für ihr Gotteshaus. Es wurde durch die schlichte und einfache Bauweise zum Wahrzeichen der Stadt auf dem Rennsteig.

Der Gemeindekirchenrat, Pfarrer D. Sommer