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Geschichtliches aus der Kirchengemeinde Gefell

Wahrscheinlich im 11. Jahrhundert entstand in GEVELL eine Kapelle, die als Tochter der Mupperger Marienkirche gegründet wurde. 1162 wird GEVELL erstmals urkundlich in den Akten der Abtei Banz erwähnt. Im 15./16.Jahrhundert verändert sich die Kirche: Der Altarraum wird mit Gewölbe versehen, das Kirchenschiff angebaut und um den Kirchhof die Wehrmauer mit Torturm und Wehrgang erbaut. In dieser Zeit wurden auch der Altar und der Taufstein geschaffen. Sandstein aus dem Maintal war der Baustoff. Wie fast alle Gemeinden unserer Gegend wurde auch Gefell im Dreißigjährigen Krieg weitgehend zerstört und entvölkert. Dorf und Kirche mussten in der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts erst wieder aufgebaut werden. Bereits 1741 mussten große Schäden am Kirchengebäude instandgesetzt werden, so entstand 1745 der Turm in der damals modernen Zwiebelform neu. Fünf Jahre später gewann die Gemeinde durch die neugeschaffene Mansardendachform Platz, der den Einbau einer weiteren Empore erlaubte.
Zwei Glocken besaß Gefell schon vor dem Dreißigjährigen Krieg, verlor sie aber durch Diebstahl und Auslagerung. 1740 wurde eine Glocke angeschafft und das Geläut um 1850 durch zwei weitere vervollständigt. Im ersten Weltkrieg mußten diese Bronzeglocken abgeliefert werden und als Ersatz kamen Stahlgussglocken auf den Turm. Diese verursachten erhebliche Schäden durch ihr größeres Gewicht. 1968 konnte die Kirchengemeinde neue Bronzeglocken von der Gießerei Schilling in Apolda gießen lassen.
Die erste Orgel leistete sich die Gemeinde 1761. Das heutige Instrument wurde um 1800 von einer fränkischen Firma gebaut und inzwischen mehrfach überholt. Die Intonation blieb im ursprünglichen Zustand erhalten.

Eine Turmuhr muss schon sehr früh vorhanden gewesen sein. Ein neues Werk erwarb die Gemeinde 1670 für 23 Taler. 1765 wurde es ersetzt durch ein weiteres Uhrwerk (44 Taler). Im vergangenen Jahrhundert baute die Firma Saam aus Themar eine neue Uhr, leider nur mit täglichen Aufzug von Hand ausgestattet. Dieses Werk wurde inzwischen durch einen elektrischen Zeigerantrieb mit funkgesteuerter Hauptuhr ersetzt.

Die Innengestaltung der Nikolauskirche wurde der Mutterkirche in Mupperg nachempfunden. Lediglich die farbenfrohe Bemalung der Empore fehlt. In den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstand ein Wandbild mit dem Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld.
Hell und freundlich, Wärme ausstrahlend, lädt dieses Gotteshaus die Gemeinde ein. Mitte der Achtzigerjahre des vorigen Jahrhunderts wurden alle Dachflächen mit dem Turm erneuert, die Sakristei zum kleinen Gemeinderaum umgestaltet und der Innenraum restauriert.
Wechselvoll ist die Geschichte dieser Gemeinde: Sie entstand als Filiale von Mupperg, kam durch die Gerichtsbarkeit zum Amt Neuhaus und damit zu verschiedenen politischen Herren. Die Mupperger Pfarrer schätzten Gefell mit seiner treuen Schar von Gemeindegliedern sehr, nur die Wegverhältnisse im Winter verleideten ihnen den Dienst. So vertrat der "Schierntzer" Pfarrer oft in Gefell und es kam schließlich 1871 die längst fällige Umpfarrung nach Neuhaus-Schierschnitz zustande.
Aber nach wenigen Jahrzehnten bereits änderte sich die Zuständigkeit wiederum. Die Besetzung von Oberlind mit zwei Pfarrern erlaubte eine Entlastung des Pfarramts Neuhaus-Schierschnitz und Gefell wird Tochtergemeinde von Oberlind. Eine Verwaltungsreform auf politischer Ebene bringt die Eingemeindung von Rottmar, die kirchlich innerhalb der Pfarrei Oberlind nichts veränderte. Die gemeinsamen Bemühungen (auch von Rottmarer Gemeindegliedern unterstützt) um die Erhaltung der Kirche, die Erneuerung der Mauer (die im Jahr 2002 fertig gestellt werden konnte) und die Unterstützung durch die politische Gemeinde dokumentieren Heimatverbundenheit und Traditionsbewußtsein beider Ortsteile.
Viele Aufgaben bleiben uns noch. Die Fenster harren einer Erneuerung, denn die Witterung und die Umweltbelastung gefährden ihren Bestand. Diese kleine Gemeinde hat aber in vielen Jahrhunderten alles für ihr Gotteshaus getan, sie wird auch in den kommenden Zeiten der Liebe zu ihrer Kirche tätigen Ausdruck verleihen.

© 2003 Evang.-Luth. Kirchengemeinde Oberlind