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Aus der Geschichte der Pfarrei Oberlind

Die erste Berührung unserer Heimat mit dem Christentum erfolgte wahrscheinlich im 7. Jahrhundert, als nach dem Zusammenbruch des großen Thüringer Reiches (531) das Land südlich des Thüringer Waldes von den christlichen Franken besiedelt wurde. Für die Christianisierung unserer Gegend hatte Würzburg besondere Bedeutung. Von dort aus sandte der iroschottische Bischofsmönch Kilian seine Boten aus.
Bonifatius (672-754), der Gründer des Bistums Würzburg, hat dann ein geordnetes Kirchenwesen errichtet. Es entstanden Großpfarreien mit der Hauptkirche am Ort des Centgerichtes (weltliche Verwaltung) und Kapellen in den umliegenden Siedlungen. In unserer näheren Umgebung sind Eisfeld, Meeder bei Coburg und Fechheim zu nennen. Zur Großpfarrei Fechheim gehörten in den ältesten Zeiten im Norden Neustadt, Mupperg, Schierschnitz (?) und Sonneberg mit Lind. Etwa ums Jahr 1000 trennten sich Mupperg und Sonneberg von der Mutterpfarrei und wurden selbständig.
Um 1100 gewannen zwei Klöster Einfluß auf das kirchliche Leben unserer Gegend. Durch Schenkungen erlangte das Benediktinerkloster Saalfeld (gegründet 1071) großen Besitz südlich des Waldes, so in Coburg und im Sonneberger Land. Der Name Lind wird 1225 zum ersten Mal urkundlich im Verlaufe eines Streites der Saalfelder Mönche mit dem weltlichen Verwalter ihrer Güter erwähnt. Das 1132 gegründete Zisterzienser-Kloster Langheim bei Lichtenfels hat das Patronat und das Eigentumsrecht über die Pfarrei Sonneberg mit Lind besessen.

Aus dem Jahre 1444 stammt die erste Urkunde unserer Kirche. Danach stifteten Oberlinder Bürger auf dem Altar der Mutter Maria eine Frühmesse. 1479 erwirkten zwei Oberlinder Einwohner beim Kardinalskollegium in Rom 100 Tage Ablass der Kirchenstrafen für alle, die an bestimmten Tagen in unserer Kirche anbeteten. Die 100 Tage wurden wenige Jahre darauf vom Würzburger Bischof um 40 Tage erhöht. Ablass hatte in erster Linie eine religiöse Bedeutung, aber dann brachte er auch den Gnadenorten mancherlei wirtschaftliche Vorteile.
Die Wallfahrer hinterließen Dankopfer und Stiftungen, mit denen dann die Kirche erhalten und ausgeschmückt wurde. So wurde 1455, sicherlich wegen der Zunahme der Bevölkerung, das Kirchenschiff neu erbaut, vielleicht auch der Turm, der jedoch auch ältere Baumerkmale zeigt. Dieser Kirchenbau von 1455 trat an die Stelle einer Kapelle aus der Zeit kurz nach 1100. Der Name unseres Gotteshauses St. Gilgen oder St. Aegidien deutet darauf hin, denn seit jener Zeit kennt man Aegidienkirchen. Diese Kapelle hatte vermutlich wiederum eine Vorgängerin, die wir uns als einen schlichten Altarraum aus Holz ohne Kirchenschiff vorstellen müssen. In alten Zeiten feierte die Gemeinde im Freien die Messe mit.
Um die Kirche von 1455 baute man wegen der Unsicherheit der Zeit einen Wassergraben und eine Befestigungsmauer, in der allerdings auch älteres Baugefüge zu finden ist. St. Aegidien wurde so für die Gemeinde "eine feste Burg".

Um 1525 wurde Lind nach langem Streit mit Sonneberg, in dessen Verlauf die Linder dem Sonneberger Pfarrer sogar die Kirchentür versperrten, selbständige Pfarrei. Der letzte katholische und erste evangelische Pfarrer war Andreas Lehr, den D. Martin Luther selbst im Jahre 1530 gelegentlich seines Aufenthaltes auf der Veste Coburg in sein Amt einsetzte.
Zum Kirchspiel "Lyndt" gehörten die Orte Rothmar, Judenbach, Kotweßdorf (Köppelsdorf), Steynbach, Haynbuch, Malmercz, Foricz, Nyderlyndt, Munchberg. Weydhausen, Jaczhof und Schmelzhütten Hüttengrund).
Kirchenbücher werden seit 1585 geführt.
Im dreißigjährigen Krieg (1618-1648) hatte das Kirchspiel viel Drangsal zu erleiden. Durchziehende verwilderte Truppen störten die Gottesdienste, die Kirchkasse wurde ausgeplündert, das Gotteshaus beraubt und beschädigt, die Häuser und Scheunen rings um die Kirche eingeäschert. Menschen kamen infolge der Kriegsereignisse ums Leben, die Hälfte der Bevölkerung starb an Seuche und Pest. Am Ende des Krieges lagen zahlreiche Höfe in Trümmern, Not und Elend schlich durchs Land und bat um Gaben. Um Lind zu helfen, verlieh 1656 die Obrigkeit dem Ort die Braugerechtigkeit. Damals wurde die Errichtung von Bierkellern in dem Kirchengraben hinter der Kirche gestattet. Diese Keller bestanden bis 1926.
Um 1650 wird zum ersten Mal der Adstantenchor (Kirchenchor) erwähnt, der Vokal- und Instrumentalmusik betrieb. 1674 machte sich Judenbach selbständig. Bis dahin hatte der Oberlinder Kaplan in der dortigen St. Nikolauskapelle gepredigt.

1697 erfolgte eine vollständige Erneuerung der Kirche. Es zeugt von der inneren Kraft der Einwohner des Kirchspiels, dass sie, obwohl längst noch nicht alle Schäden des Krieges behoben waren, zur Ehre Gottes an das große Werk gingen. Sie wurden dabei wesentlich von einer begüterten Familie (von Erffa) unterstützt. Ihre Namen und ihr Wappen sind auf der linken ersten Empore festgehalten; begraben sind sie wie eine weitere hilfsbereite Familie Baumann aus dem Steinachtal in einer Gruft unter dem Fußboden vor den Bankreihen im Schiff.
Das Kirchenschiff, bisher mit einem hohen spitzen Dach versehen, erhielt ein Mansardendach, die Seitenemporen wurden eingebaut, mit Bildgeschichten aus der Bibel bemalt, der runde Triumphbogen erhöht, ebenso das Kreuzgewölbe im Chorraum, die Kanzel wurde gebaut.
Im Verlauf der Erneuerung malte ein Coburger Hofmaler die Deckengemälde, während ein Tiroler Künstler die Stuckarbeiten fertigte. Laufend waren Reparaturen nötig am Turm und Kirchengebäude. Die Dächer wurden beschiefert. Die Orgel machte viel Sorge. Der "Uhrnickel" aus Coburg kochte alle paar Jahre die verharzte Uhr aus.
Reiche Stiftungen wurden gemacht, so u.a. das große Kreuz am Triumphbogen 1722 und das Zinnkruzifix auf dem Altar 1793. 1737 starb der streitbare Pfarrer Kannemann, dessen Grabmal unter der Kanzel steht.
1761 brachte man den letzten Toten auf dem Friedhof innerhalb der Kirchmauer zur Ruhe. Der "neue Gottesacker" lag hinter der Kirche an der Pfarrgasse.
Seit 1783 läutet die große Glocke. In diesem Jahr-hundert wurden auch Verhandlungen um die Abtrennung von Mönchsberg und Jagdshof zum Pfarrspiel Judenbach geführt, die aber durch den erbitterten Widerstand der dortigen Einwohner verhindert wurde. Um 1820 lebte der bekannte Maler Georg Friedrich Rau, der in großer Liebe für das Gotteshaus sorgte. 1880 wurde Pfarrer Sondheimer nach 36-jährigem Dienst auf dem dritten Friedhof der Gemeinde beerdigt.
1893 wurde das "Häuslein über dem Tor", das Kantorat, wegen Baufälligkeit abgetragen. 1900 der beschieferte Holztreppenturm durch einen Steinbau ersetzt.

1906 erhielt Köppelsdorf eine eigene Kirche und bildete mit den Orten Steinbach, Jagdshof, Hüttengrund, Mönchsberg und Hüttensteinach eine selbständige Pfarrei.
Bei der großen Kirchenerneuerung im Jahre 1914 wurde die Orgel aus dem Altarraum auf die dritte Empore versetzt. In den Jahren 1917 und 1942 musste die Kirche ihre Glocken für Kriegszwecke hergeben.
1928 wurde der Turmhahn abgenommen und instandgesetzt.
1934 erhielt der Turm eine neue Schieferbekleidung und seit 1949 läuten die neuen Bronze-Glocken. 1930 schied Gefell aus dem Pfarrspiel Neuhaus-Schierschnitz (vorher gehörte es zu Mupperg) aus und wurde Filialort von Oberlind. Die letzte Restaurierung des Kircheninneren wurde 1963 von einheimischen Handwerksbetrieben unter Leitung eines Hallenser Restaurators vorgenommen. Kirchendach, Orgel und Heizungsanlage wurden erneuert bzw. repariert.

Anfang der 1990er Jahre wurde die Heizungsanlage auf Erdgasbetrieb umgestellt und der Innenraum von einheimischen Firmen neu ausgemalt, sowie der Turmhelm erneuert.
2006 konnten die Emporenmalerei der ersten Empore restauriert werden.

© 2003 Evang.-Luth. Kirchengemeinde Oberlind