St. Nikolauskirche in Judenbach Schaltfläche
Was machen die Ritter in der Kirche

Die Judenbacher Kindergartenkinder lernen ihre Kirche auf besondere Weise kennen. Mit Eva Bechmann und Dr. Friederike Kruse aus Coburg unternahmen sie eine Zeitreise ins Mittelalter.

Judenbach – Am Kindertag früh in der Judenbacher St. Nikolauskirche. Draußen regnet es. Drinnen ist es warm. Die Kerzen brennen. Küster Hans Greiner war vor Tau und Tag da, um die Heizung einzuschalten.

Die Glocken läuten. Gregorianische Gesänge schwingen durch den Raum. Die schwere Kirchentüre öffnet sich. Ein feierlicher Zug tritt ein. Die Kindergartenkinder als Burgfräulein und Ritter, Handwerker, Bauersfrauen und fahrende Gesellen verkleidet, bewegen sich langsam den Gang nach vorn zum Altarraum. So muss es vor über 500 Jahren gewesen sein.
„Könnt ihr verstehen, was da gesungen wird?“ Eva Bechmann, Heilerziehungspflegerin von Beruf und Mitarbeiterin im Projekt „Zeitreise - Geschichte erleben mit allen Sinnen“ erzählt den Kinder, dass im Mittelalter die Gottesdienste in lateinischer Sprache gefeiert wurden. „Die einfachen Menschen konnten nicht verstehen, was der Pfarrer sagt.“

„Heute ist das anders“, berichten die Kinder. „Heute sprechen wir deutsch.“ „Außerdem sitzen Männer und Frauen nicht mehr getrennt, wie damals.“ „Heute sind wir auch anders gekleidet.“ „Die Frauen brauchen keine Haube zu tragen – höchstens eine Hut, oder eine Mütze, wenn es kalt und regnerisch ist.“ „Heute wird sogar in der Kirche getanzt.“ Die Kinder erinnern sich an ihren Auftritt im Judenbacher Ostergottesdienst.

Gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Friederike Kruse entdecken sie nun den Kirchenraum. Den Taufengel mit den eindrucksvollen goldenen Flügeln kennen sie. „Dort werden die Babys getauft.“ Friedrich aus Neuenbau fügt an: „Wir haben zu Hause ein Baby. Das heißt Johanna und wird auch bald getauft.“

Schön wie der Altar geschmückt ist - mit einem großen Fliederstrauß. „Das Kreuz in der Mitte erinnert an Jesus Christus und die Kerzen, dass er das Licht der Welt ist“, erklären Frau Bechmann und Frau Kruse. Rechts vom Altar ist die Kanzel. „Ja, was denn nun: Kanzel oder Gabel? Die Wörter hören sich ähnlich an.“ Die Kinder lachen. „Kanzel natürlich!“ Auf die dürfen die Kinder hoch – selbstverständlich einzeln und mit sichernder Hilfestellung von Tante Gabi. Ganz schön hoch da oben. „Von der Kanzel hat der Pfarrer seine Gemeinde gut im Blick und braucht sich beim Sprechen nicht so anzustrengen.“

Nachdem die Schnitzfiguren an der Kanzle bewundert sind und besonders die Krone, die über allem schwebt, geht es weiter  hoch auf die Emporen. Dort steht die Orgel. „Die macht Musik“, wissen die Kinder sofort. Ein Blick in das Innere des Instruments lässt alle Staunen – über 800 Pfeifen und jede macht einen anderen Ton. Gut, dass gerade der Pfarrer da ist, der ein Kinderlied auf der Orgel begleitet: „Lasst uns miteinander singen, beten, loben den Herrn!“

Ganz oben auf dem Boden, nach schwieriger Kletterei, tickt die alte Turmuhr und darüber hängen die Kirchenglocken.

Am Ende der spannenden Entdeckungsreise fassen Frau Bechmann und Frau Kruse noch einmal alles zusammen. Die Kinder haben aufmerksam zugehört und sich alles gut gemerkt. Aber eine Frage ist noch offen: „Im Mittelalter, die Ritter – was haben die eigentlich in der Kirche gemacht?“ „Kämpfen!“ rufen einige Jungen sofort und lassen die Pädagoginnen kaum aussprechen. „Aber nein!“, berichtigt die Historikerin Friederike Kruse. „Die Ritter haben sogar freiwillig ihre Waffen am Eingang der Kirche abgegeben, waren still und leise, so wie ihr heute. Die Ritter wussten: Die Kirche ist ein Ort des Friedens, weil Gott will, dass die Menschen im Frieden leben.“ Die Kinder grübeln: „Was haben die Ritter in der Kirche statt dessen gemacht?“ „Dasselbe wie ihr!“ klärt Frau Kruse auf. „Überlegt einmal, was macht ihr denn in der Kirche?“ Die Kinder wissen es: „Singen!“ Richtig. „Beten!“ Stimmt. „Loben den Herrn!“ Genau.