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Johanniskirche Schalkau
 
Der Hohe Chor
 
Der Erstbau des Hauses stammt aus dem 13. Jahrhundert. 1232 wurde diese Kirche erstmalig mit dem Namen eines Pfarrers erwähnt. Ältester Teil heute ist die Sakristei aus dem 13. Jahrhundert.
 
Nach dem Brand von 1505 erfolgte ein Neubau des Chores im spätgotischen Stil im Jahr 1516. Der Chor ist 10 m lang, 7,4 m breit, die Sakristei nördlich davon, auf der der Turm ruht, 3,7 m lang, 3 m breit, das Langhaus 17,5 m lang, 11,3 m breit. 1520 wurde die Kirche von Bischof Nicopolis als katholische Kirche geweiht. Damals gab es einen Hochaltar und zwei Seitenaltäre. Der Hochaltar wurde Johannes dem Täufer geweiht, daher der Name: St. Johannes Kirche. Die Schlusssteine des Deckengewölbes tragen die Wappen der Länder, die diese Stadt im Laufe der Jahrhunderte beherrschten.
 
Das Kirchenschiff
 
Es wurde im 16. Jahrhundert erbaut und 1663 erneuert. Beim großen Brand von Schalkau 1690 brannte diese Kirche vollständig aus. Im Jahr 1700 wurde sie wieder aufgebaut und mit dem jetzigen Turm versehen. 1884 brachte man die Orgel, die bis dahin im Chorraum war, auf die zweite Empore und entfernte gleichzeitig die dritte Empore.
 
Der Innenraum
 
1884 erfolgte nach Plänen des Baumeisters Rommel ein sehr gründlicher und sachverständiger Restaurationsbau, der die Kirche besonders im Inneren vortrefflich gestaltete. Der Chor erhielt das schöne Sterngewölbe. Wände und Decke wurden maßvoll und stilvoll bemalt. Einen wirkungsvollen Schmuck bildeten die aus Gips angefertigten lebensgroßen Standbilder von Luther und Melanchthon (das Standbild Melanchthons ist nicht mehr auffindbar).
 
Der Triumphbogen erhielt leicht profilierte Pfeiler, das Langhaus eine flache Holzdecke, welche gut in Holzton gestrichen, mit einigen Umrahmungslinien und Ornamenten in dunkeln Tönen bemalt war. Im Holzton gehalten waren auch die geschmackvoll geschnitzten Emporen. (Die dritte Empore wurde 1884 entfernt.) Die Arbeiten entstammen zum großen Teil der Schnitzerschule des L. Blechschmidt, zum Teil von ihm selbst.
 
(Quelle: Vgl. Prof. Dr. P. Lehfeldt, Bau – und Kunstdenkmäler Thüringens. 1899)

Der Altarraum
Vom Hochaltar, der ein Flügelaltar aus der Werkstatt der Schalkauer Herrgottsschnitzerei war, ist heute nichts mehr erhalten. Ein Zeugnis dieser Schnitzkunst ist uns im Lesepult erhalten geblieben. Das Kruzifix hinter dem Altar ist eine Stiftung aus dem Jahr 1711. Der Gekreuzigte Christus über der Andachtsstätte der Gefallenen des letzten Weltkrieges stammt aus dem 18. Jahrhundert. Hier werden zum jeweiligen Todestag die Namensblätter aufgelegt und die Angehörigen schmücken den Platz mit Blumen.
"Doch es gibt eine Hoffnung über den Tod hinaus, das ist Christus. Dieser hat dem Tode die Macht genommen, und das Leben als ein unvergänglich Wesen an das Licht gebracht. Der vom Tode Auferstandene Christus wird auch den Tod und Teufel besiegen."
Diese Worte der Schrift sind in einer Schnitzarbeit dargestellt, die früher auf dem Schalldeckel der Kanzel stand, jetzt aber auf dem Sockel des alten Taufsteines ihren Platz hat.
Der heutige Taufstein vor dem Hohen Chor mahnt uns, den Segen Gottes nicht zu verwerfen, den er uns in der Taufe mitgab. Dieser Taufstein steht auf dem Grab des Superintendenten Voigt. Will er uns sagen, wie nah wir dem Tode stehen? Nein, denn durch die Taufe haben wir den Zugang zum ewigen Leben.

Die Glocken der Johanniskirche Schalkau

Wann Schalkau seine ersten Glocken erhalten hat, konnte bis heute nicht ermittelt werden. Bei den Bränden von 1505 und 1690 sind die meisten Kirchenakten mit verbrannt. Durch diese Brände hatten auch die Glocken sehr gelitten. Sie bekamen Sprünge und klangen wie Schellen. 1753, 1764 und 1845 wurden die 3 vorhandenen Glocken mehrmals umgegossen. Im 1. Weltkrieg mussten die 2 großen Glocken für die Kriegsrüstung abgeliefert werden. Die Gebetsglocke (die kleinste unserer 3 Glocken) war auf dem Turm verblieben. Im 2. Weltkrieg wurden alle Bronzeglocken beschlagnahmt. Jede Kirchengemeinde musste ihre Glocken auf einem Meldebogen angeben. Zum Glück wurde nur die kleine Glocke abgenommen und abgeliefert (05.01.1942). Am 12.06.1949 war auch die Gebetsglocke wieder neu gegossen auf dem Turm.

Die drei Glocken der Johanniskirche:

    Große Glocke
    - Durchmesser: 108 cm
    - Ton: fis (tief)
    - Gewicht: 750 kg
    - Beschriftung am Glockenhals:
    "O Land, Land höre des Herrn Wort" Jes. 23, 29
    - Beschriftung auf der Mantelseite:
    "Auf mich hat gerufen das Vaterland,
    mußt zur Waffe im Kriegesbrand;
    Sollt helfen beschützen Haus und Herd
    Und alles, was deutschen Herzen wert.
    Vergeblich das Opfer! Gott hat uns geschlagen,
    Nun ruf ich: Nicht mutlos verzagen,
    auch in tiefster Not.
    Eine feste Burg ist unser Gott -
    In seiner Hand
    bleibt Gemeinde und Vaterland."

    Mittlere Glocke:

    - Durchmesser: 85 cm
    - Ton: ais (tief)
    - Gewicht: 350 kg
    - Beschriftung am Glockenhals:
    "Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig im Trübsal, haltet an am Gebet" Röm. 12, 1-2
    - Beschriftung an der 1. Mantelseite:
    "Die vor mir hier hing -
    in den Krieg sie ging.
    Mein Läuten -
    will bedeuten:
    Friede auf Erden
               †
    Er ist unser Friede."
    - Beschriftung 2. Mantelseite:
    "Der ewigreiche Gott woll uns bei unserm Leben,
    ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden."

    Kleine Glocke

    - Durchmesser: 71 cm
    - Ton: cis
    - Gewicht: 210 kg
    - Beschriftung am Glockenhals:
    "Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende" Matth. 28, 20
    - Beschriftung 1. Mantelseite:
    "Nach Kriegsbrand
    ich neu erstand
    in schwerer Zeit
    dem Herrn geweiht."
    - Beschriftung 2. Mantelseite:
    "Von allem Übel uns erlös;
    es sind die Zeit und Tage bös."