Wochenspruch- Andacht

für die Woche nach dem 2. Sonntag nach Epiphanias, 16.01.2022

"Von seiner Fülle (d.h. von der Fülle Christi) haben wir alle genommen Gnade um Gnade."
Joh 1,16

Es ist kein Einzelfall: eine Frau klagt mir diese Woche ihr Leid, als ich ihren Impfpass kontrolliere: „Endlich kümmert sich mal jemand! Es bringt mich auf, wenn keiner sich an die Abstände hält. Und die Maske ziehen sie unter die Nase – wenn sie überhaupt eine tragen.“
Der Ärger ist nachvollziehbar: Wenn alle sich daneben benehmen, warum sollte dann ausgerechnet ich mich an die Spielregeln halten? Wenn manche unauffällig ein bisschen hier oder dort tricksen, wird es meist toleriert. Und wer dann erwischt wird, zahlt die Zeche. Das ist ungerecht.

Konsequenterweise könnte man argumentieren, dass manches in der Praxis eben nicht funktioniert. Dann sollte man die alte, überkommene Regel lieber aufheben – anstatt einen einzelnen an den Pranger zu stellen. Wenn sich ohnehin keiner mehr dran hält. Dasselbe könnte man auch auf andere Bereiche anwenden. Etwa beim Thema Schwarzarbeit. Oder wenn es um Steuertricks der Banken geht. Bis hin zum Abschreiben beim Test in der Schule. Alles Beispiele, wo des öfteren getrickst wird und man es oft nicht so genau nimmt. Und gibt es da nicht den alten Spruch – oft im christlichen Kontext hervor gehoben – vom „Gnade vor Recht ergehen lassen“?

Oder wie der Wochenspruch es formuliert: „Von der Fülle Jesu Christi haben wir alle Gnade um Gnade genommen.“ Muss man da mit den Regelübertretern nicht gnädig sein?

Derjenige, der die biblischen Worte ausspricht, ist Johannes der Täufer. Ein Prediger, der kurz vor Jesus auftritt und die Leute zur Buße und Reue aufruft. Der die Menschen zur Umkehr auffordert. Weil eben so vieles nicht in die richtige Richtung läuft. Weil zu seiner Zeit viele es nicht so streng nehmen mit den Regeln. Allen voran die Mächtigen. In seinem Fall der Landesfürst, der schon mal alle Fünf gerade sein lässt – v.a. mit dem Geld und mit den Frauen. Es kann nicht sein – so Johannes – dass das Volk, das sich als „Volk Gottes“ versteht, sich über die Regeln und Gesetze hinweg setzt, als wären es Kavaliersdelikte. Dass so etwas vorkommt – kein Thema. Aber dann sollte man umkehren. Dann sollte man einsehen, dass da gerade etwas schief läuft und ernsthaft versuchen, da wieder raus zu kommen. Wer es ernst meint, – fordert Johannes – der soll umkehren zu Gott. Und er oder sie wird die Gnade erfahren. Dass Gott ihm/ihr verzeiht. Immer wieder. Gnade um Gnade. Wenn du es ernst meinst – und siehst, dass die großen wie die kleinen Regelübertretungen falsch sind.

Gnädig sein, Gnade um Gnade – das ist wichtig. Um das Gesetz und die guten Regeln des Zusammenlebens nicht auszuhöhlen, sondern um sie zu bestätigen. Es ist die Gnade, die von Gott kommt. Damit du deine Fehler eingestehen kannst und wieder umkehrst – mit der Fülle seiner Vergebungsbereitschaft. Damit sich etwas ändert!

„Wie sollen wir denn so die Corona-Lage verbessern?!“, sagte mir die Frau beim Weitergehen, „wenn keiner sich bemüht.“

Nicht Gnade vor Recht, sondern Gnade zum Recht. Damit sich wieder alle um das Richtige bemühen. Damit du vom Kleinreden und Abstreiten deiner Fehler umkehrst – zurück auf den Weg in ein gutes Zusammenleben. Oder wie Johannes es sagte: auf den Weg zum Reich Gottes.


Bleiben Sie behütet! Alles Gute und Gottes Segen.

Pfarrer Jörg Zech, Kirchengemeindeverband am Rennsteig

Wort des Superintendenten zu aktuellen Lage

Wider Erwarten stehen wir erneut inmitten der Schwere und der Bedrohungen durch die Corona-Pandemie. Dabei hatten wir doch so gehofft, daß es anders sein möge. Nach einer entspannten Zeit im Sommer bis in den frühen Herbst hinein, sind wir nun wieder mit den grossen Herausforderungen konfrontiert, die uns zuweilen fast zerreissen.
Weiterlesen: Download des Worts zur Lage als PDF