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Wie halten wir es mit Gott?

Da geht es um die berühmte Frage von Gretchen an Faust:

„Wie hältst du´s mit der Religion?“

Ja, es ist nicht leicht, in dieser Talkshowrepublik von Gott zu reden. Gewiss wollen wir diese oft so künstlichen Auseinandersetzungen nicht auch noch befeuern. Aber Profil ist doch gefragt, auch öffentlich. Könnten wir Evangelischen nicht mal klar sagen: Gott liebt die Menschen? Nach evangelischer Überzeugung muss keine Frau ein Kind austragen, das Resultat einer Vergewaltigung ist? Verhütung ist eine Frage der verantwortlichen Sexualität! Oder: Frauen im Pfarr- und Bischöfinnenamt sind nicht weichliche Anpassung an den Zeitgeist, sondern Grundüberzeugung, es geht um Tauftheologie. Vom Glauben reden mitten im Alltag der Welt, darum geht es...

Doch Vorsicht: ... Die Worte können auch zu schnell, unüberlegt oder gar hitzig sein und nicht zurück zu nehmen. Hilde Domin drückt das in ihrem Gedicht „Unaufhaltsam“ beeindruckend aus:

Das eigene Wort,
wer holt es zurück,
das lebendige, eben noch ungesprochene Wort? ...
Ein Vogel käme dir wieder.
Nicht dein Wort,
das eben noch ungesagte,
in deinen Mund...
Besser ein Messer als ein Wort.
Ein Messer kann stumpf sein.
Ein Messer trifft oft
am Herzen vorbei.
Nicht das Wort.
Am Ende ist das Wort,
immer
am Ende
das Wort.

Vorsicht also mit dem Wort. Behutsam, bedacht ist es zu wählen. ... Ja, offen und frei reden sollen wir. Da bleibt Luther das große Vorbild der Protestanten. Wie er in Worms steht in dieser Haltung „Ich stehe hier, ich kann nicht anders, Gott helfe mir. Amen“ Nicht wörtlich so gesagt, ich weiß, aber so kolportiert als großartige Legende! Welche prophetische Standfestigkeit aus Glaubensüberzeugung!

... Auch in der Katastrophe gibt es einen Neuanfang. Eine Rückkehr ist möglich, doch nicht so bald... So wie (auch) der Prophet Jeremia selbst mit Gott gehadert hat und dann doch im Gottvertrauen weiter geredet, gehandelt, gelebt hat, so sagt er auch ... : seid getrost, es gibt Neuanfang.

Das ist das Wunderbare, das Tröstende an unserem Glauben. Auch wo wir auf Propheten nicht hören, wo unsere eigene Prophezeiung vielleicht gar wahr wird, wo wir in die Irre gehen und Gott aus dem Blick verlieren, die Solidarität an den Nagel hängen: es gibt Vergebung, Versöhnung, Neuanfang. Mitten in den Tiefpunkten unseres Lebens dürfen wir diese Töne hören. Manchmal nur sehr leise und zart. Wir können mit Gott hadern und ringen. Nicht verstehen, warum die Welt ist, wie sie ist, warum sich nichts ändert, unser Leben aus der Spur kommt, wir mit Leid und Verlust leben müssen. Aber das bleibt niemals die Grundmelodie.

Der Grundton des Lebens als Christin und Christ bleibt die Hoffnung.

Er ist auferstanden. Dir ist vergeben. Du bist geliebt.

Dein Leben macht Sinn mitten in allen Irrwegen und allem Scheitern.

Das können wir auch heute erfahren, wenn wir Brot und Wein teilen – zu seinem Gedächtnis.

aus einer Predigt von Margot Käßmann