Monatsandacht 03 / 2019
Zur Passionszeit 2019: Kreuzwege

Was sagt mir das Kreuz?

Gott ist keine kalte, stumme Himmelsmacht, die sich selbst genügt und uns von oben gute Ratschläge erteilt. Im gekreuzigten Jesus hat Gott die Gestalt der gequälten Kreatur angenommen. An den Balken genagelt, nackt, verspottet, zerschlagen, hat er den Tod erlitten. Das Kreuz sagt: Er hat am eigenen Leib erfahren, was Menschen bedrückt und ängstigt. In aller Not ist Gott uns nah. 

Der Weg der Menschheit gleicht bis heute einem Kreuzweg. Tag für Tag kommen neue Kreuzwegstationen dazu. Kreuzigen konnten nicht nur die Römer. Wir alle verurteilen und kreuzigen, indem wir Menschen verspotten, abschreiben, fertig machen mit Sprüchen wie: "Du bist restlos veraltert!" - "Du bist noch viel zu jung!" – "Du hast mir nichts zu sagen!" Wir alle verwunden und kreuzigen täglich. Ist so der Mensch? - Bert Brecht meint: "Zu den Steinen hat einer gesagt: Seid menschlich! Die Steine haben gesagt: Wir sind noch nicht hart genug." Die Schauplätze moderner Kreuzigungen sind unzählbar. 

Wenn ich das Kreuz anschaue, heißt das für mich nicht alles Leid in Ergebung zu tragen. Im Gegenteil: Das Kreuz anschauen heißt: Leidende vom Leid erlösen, Menschen vom Kreuz holen. Unsere Antwort heißt: Tragen, helfen, mittragen, wo immer wir den Kreuzträgern unserer Tage begegnen. - Um Menschen vom Kreuz zu holen, muss man sich querstellen. Mitleid allein genügt nicht. Nur mit Worten zu protestieren, reicht nicht. Wir müssen uns zu ihnen stellen, auf ihrer Seite sein.

Das beschreibt der Frankfurter Pfarrer Lothar Zenetti in seinem Gedicht:

Das Kreuz des Jesus Christus 
Durchkreuzt was ist
Und macht alles neu

Was keiner wagt, das sollt ihr wagen
Was keiner sagt, das sagt heraus
Was keiner denkt, das wagt zu denken
Was keiner anfängt, das führt aus

Wenn keiner ja sagt, sollt ihr’s sagen
Wenn keiner nein sagt, sagt doch nein
Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben
Wenn alle mittun, steht allein

Wo alle loben, habt Bedenken
Wo alle spotten, spottet nicht
Wo alle geizen, wagt zu schenken
Wo alles dunkel ist, macht Licht

Dass Kreuz des Jesus Christus
Durchkreuzt was ist
Und macht alles neu

Jede Tat der Liebe verändert die Welt, macht alles neu. Was ich aus Liebe gegeben habe, das bleibt. Denn die Liebe eines Menschen kann man nicht begraben. Auch damals, als sie Jesus kreuzigten, schien die Rechnung aufzugehen. Mit Jesus hatten sie Schluss gemacht. - Doch: Jesus, der sein Leben gab, um andere zu retten, wurde von Gott errettet.