Andacht

Ohne Glauben leben? Wirklich?

An der altehrwürdigen und sanierungsbedürftigen Mauer der Kirchenburg St. Aegidien in Oberlind wurde im Gedenken an die unzähligen Menschen die Opfer von Kriegen, Diktaturen, Vertreibungen, Unterdrückungen, Morden und Terroranschlägen geworden sind und leider bis heute werden, einmal der Satz angebracht:

Man kann in dieser Welt, wie sie ist, nur dann weiterleben, wenn man zutiefst glaubt, dass sie nicht so bleibt, wie sie ist, sondern werden wird, wie sie sein soll.


Die Worte stammen von Carl Friedrich v. Weizsäcker. Er war ein Physiker, ein Philosoph und auch an den Versuchen der Deutschen Nazis beteiligt, eine Atombombe zu bauen. Er selbst hat es als eine Gnade Gottes bezeichnet, dass dies damals nicht gelungen ist: …“wir konnten es nicht.“ „Wissenschaft und politische Moral sind nach seiner Ansicht im Zeitalter der Atombombe, der Informationstechnik und der Genmanipulation untrennbar miteinander verbunden. Sie ruhen für ihn auf dem „Quellgrund religiöser Erfahrung“: „Nicht Optimismus, aber Hoffnung habe ich zu bieten.“ Eines der Werke dieser Schaffensperiode trägt den Titel Bewußtseinswandel.“ (Zitate aus Wikipedia)

Er war nicht explizit christlich ausgerichtet, stand aber für einen starken interreligiösen Dialog am Ende seines Lebens. Der „Quellgrund seiner eigenen religiösen Erfahrung“ ist sicher ganz wesentlich der christliche Glaube gewesen. Er trat auch für eine Weltversammlung aller Christen für den Frieden ein.

Sein Zitat macht mir Mut, Mut dennoch zu glauben. Trotz all der schrecklichen Kriege, des Terrors, der Diktaturen und deren Folgen in unserer Welt. Glauben heißt ja in diesem Zusammenhang: Vertrauen, ein festes, gewisses Vertrauen auf Gott, auf das Gute, auf die Kraft der Versöhnung, darauf, daß Frieden immer wieder möglich ist, indem wir Friedensstifter werden.

Die Welt ist, wie sie ist. Da gibt es nichts mehr schönzureden. Aber, nicht nur nach Carl Friedrich von Weizsäcker, sondern auch nach den Worten der Bibel, dürfen wir gewiss sein, daß sie nicht bleiben wird, wie sie ist, sondern werden wird, wie sie sein soll. 

Dazu braucht Gott jeden Menschen. Seine Einladung zum Glauben, zum Vertrauen steht. Immer noch. Es ist zugleich die Einladung zu neuem Handeln: für den Frieden, für die Bewahrung der Schöpfung, zur Versöhnung, zum Teilen, zur tatkräftigen Hilfe für alle Menschen in Not.

„Es kommt die Zeit, da wird der Erdkreis neu ergrünen / mit Wasser, Luft, Feuer, wenn der Menschen Geist / des Schöpfers Plan bewahrt. / Dann gehen Gott und die Menschen Hand in Hand, / dann gehen Gott und die Menschen Hand in Hand.“  (ein Liedtext, v. R.O. Wiemer, 1989)

Thomas Rau, Pfarrer und Superintendent des Ev. Kirchenkreises Sonneberg