Andacht

Dankbarkeit üben!

Dem Gedächtnis auf die Sprünge helfen und die Augen öffnen für den, von dem alles Gute kommt: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“. Wer dankbar auf sein Leben blickt, der ist nicht nur glücklicher, der lebt auch in Gottes Geist. Der Geist, der es uns erlaubt, kindlich zu Gott zu beten und von ihm Gutes zu empfangen, weckt auch die Erinnerungen an die Wohltaten Gottes. Die Bibel erzählt Geschichten von Menschen, die von Gott beschenkt werden. Ein geheilter Aussätziger, Jakob, der auf der Flucht vom offenen Himmel träumt, Zachäus, in dessen mieses kleines Leben Jesus einkehrt, – sie alle erfahren: Sie können nicht mehr so weiterleben wie bisher. Ihre Begegnungen mit Gott, mit Jesus Christus, mit Gottes Geist, machen sie alle tief dankbar. Dankbarkeit hat verändernde Kraft.

Es tut uns gut, Dankbarkeit zu üben. Dorothee Sölle hat es als geistliche Übung bezeichnet, am Tag drei Dinge zu finden, für die sie Gott danken kann. Drei Dinge sind manchmal ganz leicht – an anderen Tagen fällt es sogar schwer, einen einzigen Grund zum Danken zu finden. Probieren Sie es doch einmal aus!

Oder Sie machen es wie der unzufriedene Bauer in der Geschichte, dem geraten wurde eine Handvoll Kieselsteine in die rechte Jackentasche zu stecken und in jedem glücklichen Moment einen Stein von rechts nach links wandern zu lassen. Waren es zu Beginn selten mehr als zwei Steine, fanden mit der Zeit mehr und mehr Steine ihren Weg in die linke Tasche. Abends zählte der Bauer seine Steine, dachte an die schönen Momente und freute sich daran. Bis er eines Tages zu seinem Ratgeber kam und sagte: „Ich bin ein glücklicher Mensch.“

Dem Jakob aus der Bibel gibt Gott eine starke Zusage:

Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.

Als nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte (während dem er geträumt hatte, dass der Himmel offen steht und immerfort Engel hinauf und herunter unterwegs sind), sprach er: Fürwahr, der Herr ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht! Und er fürchtete sich und sprach: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels. (1. Mose 28, 15-17) Aus Dankbarkeit für diese Gotteserfahrung errichtet er einen Stein, der zu einem Gotteshaus werden soll und verspricht Gott den zehnten Teil von allen seinen Einkünften.

Über dem Eingangsportal der Marienkirche in Heinersdorf wurden einst auch diese Worte eingemeißelt: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels.

Der Himmel geht auch über uns allen auf – durch den Glauben.

 

Thomas Rau,

Pfarrer und Superintendent des Kirchenkreises Sonneberg