Andacht

EMPFANGEN und WEITERGEBEN

Ein Grab grub tiefer als die Gräber gruben, denn ungeheuer ist der Vorsprung Tod. Am tiefsten greift das Grab, das selbst den Tod begrub, denn ungeheuer ist der Vorsprung Leben.                                                                     Kurt Marti (1921-2017)

Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; 4 und dass er begraben worden ist; und dass er auferweckt worden ist am dritten Tage nach der Schrift;…                                             Paulus (Kephas, hebr., um 50 n.Chr.) 1. Korinther 15, 3-4

Paulus und Kurt Marti, beide besinnen sich und erinnern damit auch uns heute, - rund 2000 Jahre liegen zwischen ihnen (!), daß auch wir diese wunderbare Gabe empfangen haben: das Evangelium selbst, die Botschaft von der Auferstehung (15,3).

Aber: Wann aber haben wir zuletzt davon weiter erzählt? Wem habe ich getrost und mutig gesagt, was Sache des Glaubens ist und worauf ich mein Vertrauen setze? Wo konnten wiruns durchringen, dazu vordringen, es auszusprechen: welcher Glaube trägt, worauf wirhoffen?

Auch an diesem Ostern, in dieser singulären österlichen Freuden- (und Corona-) zeit AD 2020 ist die Auferstehung Jesu Christi die Kernbotschaft, von der wir herkommen, ohne die wir Christenmenschen gar nichts wären.

Denn Respekt vor dem Leben, und Protest für das Leben, eben auch dem der Risikogruppen, erhalten ihre tragende Kraft aus Gottes Aufrichtung des Lebens aus dem Tod!

Unsere Friedensmahnung für die nahe und die ferne, die große und die kleine Welt, unsere Friedensgestaltungen in unseren Familien, Kirchgemeinden und Einrichtungen der Diakonie erhalten ihre visionäre Kraft aus Gottes Friedenserklärung, die jeglicher Gewalt, jedem Machtmißbrauch, jeder Manipulation entgegensteht.

Unser Einsatz gegen Armut und gegen die sich öffnende Schere zwischen armen und reichen Menschen, erhalten ihre diakonische Kraft aus Gottes Liebe zu jedem schwachen und scheinbar gescheiterten Leben.

Unser Engagement für die bedrohte und geschundene Schöpfung erwächst aus der Erkenntnis, das alles Leben heilig und tief miteinander in Gott verwoben ist.

Unsere eigene Gewissheit im Glauben, im Vertrauen auf den barmherzigen Gott, auf seine Liebe, die Jesus bis zur letzten Konsequenz lebte, all dies lässt auch uns, trotz aller Schuld und allen Versagens, dennoch und immer wieder neu, glauben, hoffen, lieben, für uns und unsere Nächsten.

Was wären wir als Kirche im thüringisch-fränkischen Landen, wenn wir nicht auch hier Ostern im Herzen und Ostern vor Augen hätten! Denn auch uns tut die alte Osterhoffnung auf den dritten Tag gut und hilft uns unendlich weiter als das Allerlei des religiösen oder esoterischen Marktes.

Ein Grab grub tiefer…, denn ungeheuer ist der Vorsprung Leben!

„Das Feiern des Frühlingserwachens ist schon recht und verständlich. Gerade an den Karfreitagen des Lebens sind die Lebenszeichen der Schöpfung eine Wohltat. Wir freuen uns dran und haben doch den Winter noch in den Knochen und den nächsten Herbst schon im Kalender. Würden wir es aber dabei belassen, dann rotierten wir nur weiter im Kreislauf der Natur, im Laufrad der Geschichte, in der Tretmühle ökonomischer Leistungen und Krisen, im immer gleichen Dreh, in dem sich die berühmte Katze in den Schwanz beißt, in dem man wieder und wieder auf den Hund kommt.“

Ostern – Auferstehung, das jeden Sonntag zu feiern, das verwandelt und richtet unser ganzes Leben, auch das schwache und das scheinbar scheiternde Leben auf und hebt es auf in Gottes Hand.

Wir tun es jeden Sonntag! Feiert mit! Es besteht begründete Hoffnung, daß bald wieder Gottesdienste stattfinden. Denn: Ostern, auch jeder Gottesdienst, bricht den Kreislauf auf und eröffnet unserm Leben den Horizont von Gottes zeitloser Kraft und Wirklichkeit.

zum Teil nach und mit Zitaten aus einer Predigt von Bischof Jan Janssen, Oldenburg, 2010