Beschlüsse & Berichte der Tagungen 2019 der Kreissynode

Beschluss Nr. 01/2015

Text

Bericht des Superintendenten auf der Kreissynode Sonneberg im November 2019

Die „Vision 2030 für den Kirchenkreis Sonneberg“

Der Kreiskirchenrat hat in diesem Jahr 7 Visionen erarbeitet. Ich wurde vom Gremium beauftragt, die Ergebnisse dieser Arbeit zu formulieren, zu verbreiten und zur Diskussion zu stellen.
Aus diesem Grunde habe ich mich entschlossen, dieses Thema zum wesentlichen Inhalt auch meines Berichts an die Synode zu machen.

Grundlage der Visionen sind Notizen auf dem Flipchart aus einer abschliessenden Sitzung des Kreiskirchenrates und meine Aufzeichnungen.
Die Visionen wurden auch mit externer Begleitung und auf dem Hintergrund unzähliger Gespräche und Erfahrungen in den Kirchgemeinden und diakonischen Einrichtungen unseres Kirchenkreises und nicht zuletzt auch inspiriert durch meine Teilnahme an Tagungen in Thüringen und Bayern zum Thema „Diakonie und Kirche“ und zu den aktuellen Fragestellungen in den Kirchen formuliert. Impulse aus aktuellen Veröffentlichungen aus der Diakoniewissenschaft und der Theologie sind auch auf diesem Weg ebenfalls in die Visionen eingeflossen.
Auch der mehrtägige Superintendenten-Konvent der EKM im Mai 2019 auf Burg Bodenstein bei Worbis widmete sich der Thematik „Kirche und Diakonie“, die auch für unseren Kirchenkreis wesentlich ist, denn er ist seit bald 30 Jahren auch durch die Arbeit des Diakoniewerks Hildburghausen-Sonneberg e.V. (DW HBN SON) geprägt.

Auf diesem Hintergrund wurden die Visionen formuliert, die wir hiermit nun den Kirchgemeinden, den Gemeindekirchenräten, den Ausschüssen, den Gruppen, Haupt- und Ehrenamtlichen und der Öffentlichkeit als eine Diskussionsgrundlage und als Vorschläge zur Diskussion zur Verfügung stellen, mit der Hoffnung, daß ein breiter und ergebnisoffener Visionsprozess in Gang gesetzt wird.

Warum brauchen wir Visionen?
In einem der klassischen Pfingst-Predigttexte, der zugleich auch ein adventlicher Text ist, sind die Alten und die Jungen gleichermaßen angesprochen Bei Joel, dem Propheten aus dem 4. Jhd. v.Chr. heißt es in Kap. 3,1 für die Zukunft:
1 Und ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen, eure Alten sollen Träume haben, und eure jungen Leute Visionen.
Liebe Schwestern und Brüder, liebe und geschätzte Gäste

Visionen sollen neue Spielräume eröffnen. Nur mit einer gemeinsamen Vision werden wir auf die Herausforderungen der Gegenwart in unserem Kirchenkreis antworten können.
Deshalb ist es gut und richtig, daß wir uns über die Wege, die wir gehen wollen und die Ziele, die wir nicht nur wage hoffen zu erreichen, sondern die wir – Gott gebe es - klar und deutlich definieren, daß wir uns über diese Wege und Ziele miteinander verständigen und uns hoffentlich dann auch darin eins machen. Das kann nur in einem Prozess geschehen, der mit dieser Kreissynode eröffnet wird und – darum bete ich zu Gott - sich fortsetzen wird, indem der Funke überspringt - durch Gottes Geist. Alle werden dabei gebraucht, Alte und Junge miteinander.

Die Vision 2030 für den Kirchenkreis Sonneberg:
„Diakonie ist Kirche und Kirche ist Diakonie“

Im Jahr 2030 werden wir sagen können:

• Unser gelebter Glaube an den lebendigen Gott ist Zentrum unseres Handelns und gibt Antworten auf die Fragen der Menschen unserer Zeit. Wir sind eine zeitgemäße - missionarische Kirche in unserer Region.

• Unsere Kirchgemeinden und alle unsere Einrichtungen im Diakoniewerk und im Kirchenkreis sind stark und haben eine dienende und einladende Ausstrahlung.

• Ehrenamtlich Mitarbeitende arbeiten gern und engagiert bei uns mit und werden dazu regelmäßig befähigt.

• Haupt-und Ehrenamtliche arbeiten in allen Bereichen engagiert, zielorientiert und respektvoll zusammen.

• Wir schaffen den „Erprobungsraum Kirchenkreis Sonneberg“. Das heißt, es werden im ganzen Kirchenkreis innovative, kreative, überraschende Formen und Ideen der Verkündigung des Evangeliums und des diakonischen Handelns probiert und verwirklicht.

• Die Arbeit des Diakonats des Kirchenkreises dient dem Gemeindeaufbau und wird intern und extern positiv als Wirken einer modernen Kirche wahrgenommen.

• Unsere Kirchengemeinden und die diakonischen Einrichtungen sind Orte diakonischen Handelns und zugleich Orte der Verkündigung des Evangeliums und sind in vielfältiger Weise intern und extern vernetzt.

Liebe Schwestern und Brüder,
unser Kirchenkreis, zum Teil auch die Kirchengemeinden arbeiten grundsätzlich segensreich mit dem Diakonischen Werk der Kirchenkreise HBN und SON seit seiner Gründung vor bald 30 Jahren zusammen. Wir dürfen also 2020 einem Fest entgegengehen: „30 Jahre DW HBN-SON e.V.!“

Die bereits enge Zusammenarbeit mit dem DW HBN SON wurde in diesem Jahr begonnen, neu auszurichten. Die bisherige Kooperationsvereinbarung zwischen dem DW HBN SON und dem KK SON wurde deshalb durch den Kreiskirchenrat (KKR) gekündigt, aber mit dem Ziel, eine neue Vereinbarung zu schließen, welche dann, so hoffe ich, vielfältige konkrete Synergieeffekte zum Ausdruck bringt, denn über die Einrichtungen unseres Diakoniewerks können wir Menschen in einer überaus großen Breite auch mit der Verkündigung des Evangeliums erreichen. Ein Ziel des KKR dabei war und ist, die Kreisdiakoniestelle in das „Diakonat des Kirchenkreises“ umzuwandeln, um die Mitarbeitenden dort noch enger mit dem Verkündigungsdienst und mit den Kirchgemeinden zu vernetzen. Dies wurde bereits begonnen, zu verwirklichen. Ab 1. Januar 2020 trägt die Diakoniekreisstelle die neue Bezeichnung: „Diakonat des Kirchenkreises Sonneberg“ und befindet sich nun in der Coburger Allee.
Eine wesentliche Aufgabe des Diakonats wird auch sein, die Pfarrämter und Kirchgemeinden in einem diakonisch orientierten Gemeindeaufbau zu unterstützen. Das heißt z.B.:

• Wir sehen was notwendig ist und handeln entsprechend.
• Wir gehen dorthin, wo unsere Hilfe gebraucht wird.
• Wir eröffnen Gesprächsräume.
• Wir bringen uns mit unserem Glauben in die Entwicklungen in unserem Dorf, unserer Stadt, unserer Region selbstbewusst ein.
• Wir schweigen nicht, wo wir nicht schweigen können und wollen, sondern stellen als Christen und Kirche unsere Meinung zur Diskussion.
• Wir reissen Mauern ein, vernetzen uns vielfach, probieren etwas aus, gehen hinaus.
• Wir schaffen den „Erprobungsraum Kirchenkreis Sonneberg“.

Unsere Visionen benennen bereits klar und deutlich Ziele, die wir erreichen wollen. Sie müssen aber dann jeweils immer neu konkret werden in unserem Handeln, in Wort und Tat, um dem Gemeindeaufbau zu dienen.
Mit dem Anstoss zu diesem Prozess wollen wir Antworten finden auf die Herausforderungen unserer Zeit, in unserer Region, wie z.B. Mitgliederrückgang, Stellenrückgang, Rechtspopulismus, Orientierungslosigkeit, Vereinsamung, geringe Teilnehmerzahlen bei Gottesdiensten und Veranstaltungen, usw. usf.

„Ausblick“ oder „Wie weiter?“

Mit Fragen, die wir uns stellen und mit Antworten, die wir geben.
Konkret: Welche Antworten können wir geben, um diese - und ggf. auch noch andere - Visionen Wirklichkeit werden zu lassen, um diese Ziele zu erreichen? Was ist nun tatsächlich dafür notwendig, in unserer Gemeinde, unserer Einrichtung, unserem Pfarrbereich, unserer Region? Wie finden wir es heraus? Welche Hilfen wären dazu nötig? Sicher fehlt die eine oder andere Thematik, die nicht unseren Visionen zugeordnet werden kann, bitte helft auch mit zu ergänzen!

Der Kreiskirchenrat hofft, daß ein Prozess für den ganzen Kirchenkreis in Gang gesetzt wird, durch den eine neue, gewisse Hoffnung sich mehr und mehr ausbreitet, daß Resignation in Mut verwandelt wird, Stagnation und Konflikte bearbeitet und beendet werden, Vertrauen und Glauben gestärkt werden und vor allem, daß die Liebe Gottes, von uns und vielen Menschen neu erfahren werden kann. (Es steht auch meines Wissens nirgends geschrieben, daß wir dazu verdammt sind eine schrumpfende Kirche zu sein.)

Konkret: Bringt euch ein, setzt euch zusammen, im Gemeindekirchenrat, in den Ausschüssen, in den Konventen, auch mit Aussenstehenden, usw., widersprecht, ergänzt, formuliert neu. Macht das zum Thema auch im Gottesdienst, in Gesprächskreisen, usw.
Sendet eure Vision/en, eure Vorschläge, eure Fragen und Antworten bis zur Frühjahrssynode an das Büro der Superintendentur. Dann werden wir sehen ob dieser Prozess gelingt und ich werde dann wieder darüber berichten.


Veni Sancte Spiritus, tui amoris ignem accende! Amen
(Komm, Heiliger Geist, entzünde das Feuer deiner Liebe!)

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

Superintendent Thomas Rau