Monatsandacht 06 / 2017
Bekenntnisfrage

Gestern flatterte eine Einladung in unseren Briefkasten. Der Absender ist das Pfarramt meiner Heimatgemeinde im Erzgebirge. Vor 50 Jahren bin ich da konfirmiert worden. Und wirklich: Ich sehe schon das Bild meiner Konfirmationsurkunde auf der ersten Seite. Die Gedanken gehen zurück. Wir waren fast 80 Konfirmanden damals. Das war der größte Teil. Trotzdem fehlen Gesichter im Gedächtnis. Jugendliche und deren Familien, die schon damals aus Überzeugung Jugendweihe machten, aber auch jene, die Angst vor Benachteiligungen hatten. Sie wollten studieren. Oder sie hatten andere Pläne, die nicht ohne die Zustimmung eines atheistischen Staates umzusetzen gewesen wären. Es waren schwierige Zeiten, die viele Familien in große Gewissenskonflikte gebracht haben. Am Ende blieb es eine persönliche Entscheidung, die man treffen musste. Und es war auch eine Bekenntnisfrage. Die Junge Gemeinde wurde bedrängt. Wer dorthin ging, stand „auf der Liste“ staatsfeindlicher Elemente. Und trotzdem habe ich das als Jugendlicher eher als Herausforderung gesehen. Meine Eltern standen dazu. Das gab Mut und Sicherheit. Vielleicht hatte mein bibelkundiger Vater damals auch den Satz im Kopf: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. (Apg. 5,29) Es ist der Monatsspruch für diesen Monat.

Als dieser Satz gesprochen wird, stehen Petrus und andere Jünger vor einer Art Religionsgericht. Die, die es besser zu wissen meinen, klagen sie an und sagen: Was ihr predigt, wiegelt das Volk auf und entspricht nicht unserem Glauben; ihr spaltet das Volk. Darauf antwortet Petrus: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Das heißt so viel wie: Wenn ich von Gott sprechen muss, dann muss ich das auch tun. Niemand kann mir das verbieten.
Der Satz erinnert mich an den berühmten Ausspruch Luthers auf dem Reichstag zu Worms: "Hier stehe ich und kann nicht anders! Gott helfe mir, Amen!" Auch wenn diese Worte nur Legende sind, drücken sie doch auch aus, was wir Bekenntnis nennen. Gottes Wort soll man ernst nehmen. Dabei ist es nicht immer einfach, Gottes Wort in unserer Zeit zu verstehen. Denn es geht nicht um Buchstabenglauben, der mich als frommen Christen höher als andere stellt. Sondern es geht um die Liebe Gottes zu uns Menschen. Der Monatsspruch macht uns nicht zu gehorsamen Sklaven, die abliefern müssen. Dagegen hat sich Luther immer wieder gestellt. Gott mehr zu gehorchen, heißt hinhören, was Menschen aufhilft und der Welt zum Segen wird. Gegen Mainstream oder modernen Ideologien, die selbst Heilsanspruch anmelden.

Und der Satz des Petrus, dass man Gott mehr gehorchen muss als den Menschen, ist ein Satz des Gewissens. Was will Gott? Was will ich? Passt das zusammen? Folge ich meinen Wünschen und Plänen oder dem, was Gott von mir will? So fragt das Gewissen, wenn es noch fragt.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sommer!