Monatsandacht 05 / 2017
Eure Rede sei allezeit wohlklingend und mit Salz gewürzt. Kolosser 4,6

Ja, ich habe mir es angetan. Ich habe den Parteitag der AfD auf „Phoenix“ zu großen Teilen live verfolgt. Und es war schwer. Die Wortwahl war clever wie eindeutig. Eindeutig, was alle Feindbilder betrifft: Die Ausländer, die Flüchtlinge, die Medien, die Parteien, die Kirchen. Der erste etwas liberalere Kurs, mit dem man zumindest auch bürgerliche Anhänger gewonnen hat, ist eindeutig nationalistischer geworden. Die Wortwahl des Herrn Meuthen kann nur jedem demokratisch gesinnten Menschen Angst machen. Aber sie kamen gut an, diese alten Parolen nicht mal neu verpackt. Die Menge tobte. Nun kann einer sagen, das gehört dazu, heute. Es ist rauer geworden in den Medien. Andersdenkende werden im Zweifel eher niedergemacht, als aufgebaut. Man versichert sich gerne des eigenen Wertes, indem man anderen Wert abspricht. Ausgrenzung ist vielen geläufiger als freundliches Reden.
Victor Klemperers Werk „Linqua Tertii Imperii“ hat eindrücklich aufgezeigt, wie Sprache verführt, anstachelt und am Ende zur Vernichtung von Millionen von Menschen führt, ohne dass das Volk ein Schuldbewusstsein hätte.
Ich weiß nun nicht, ob das immer schon so gewesen ist, was es auch nicht besser macht. Aber zumindest werden wir als Christen im Monatsspruch ermahnt, auf unsere Worte zu achten. Das bedeutet, die eigene Wortwahl zu prüfen, bevor wir auf die Anderen zeigen. Unser Reden muss nicht langweilig sein, und ohne Auseinandersetzungen in der Sache geht es auch nicht. Aber es braucht weder Beleidigungen noch Hetze. Wer das nötig hat und pflegt, ist der eigentlich Schwache.
Jesus sprach anders, auch wenn es um ernste Dinge ging. Er verurteilte die Tat und nicht so sehr den Täter. Er nimmt sich der Menschen an, redet vorsichtiger, behutsamer, auch wenn er tadelt. Und die Menschen spüren, dass sie ihm vertrauen können.
Sprache wirkt gewinnend oder abschreckend. Eine gesalzene Rede steht für eine gelungene Rede. Für eine Rede also, die Interesse weckt, weil sie auf Fragen eingeht, die andere haben und stellen. Heißt im Umkehrschluss: Erst zuhören, dann reden. Denn Worte lassen sich nicht löschen, wenn sie einmal gesagt sind. Wenn ich rede, mache ich deutlich, wer ich bin, wozu ist stehe. Darum: „Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt.“ Es geht um eine Haltung, die das ganze Leben von uns Christen bestimmen soll. Und diese Haltung lässt sich mit dem Wort „Zugewandtheit“ charakterisieren. Dafür bedarf es nicht allein rhetorischer Fähigkeiten. Es braucht Empathie und Menschlichkeit. Und wenn ich ehrliche Herzlichkeit spüre, tut das gut. So verstehe ich, warum die Aufforderung an uns Christen heißt: „Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt.“