Monatsandacht 04 / 2017
Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier. Er ist auferstanden! (Lukas 24,5 - 6)

Liebe Leserinnen und Leser,
letzte Woche hatte ich mich bei einem Geburtstagsbesuch in der Adresse geirrt und suchte nun Tür für Tür nach dem Namen ab. Schließlich kam eine Bewohnerin des Hauses vorbei und sagte freundlich: „Die wohnt nicht mehr hier.“ Da stand ich nun mit meinem Blumenstrauß und wusste nicht so recht wohin. Zum Glück hatte ich aber wenigsten die Auskunft: „Sie wohnt nicht mehr hier.“ Nein, sie ist nicht verstorben, nur umgezogen. Das war die gute Nachricht. Trotzdem war ich noch etwas irritiert. Ich hatte mich innerlich auf diesen Ort eingestellt. So stand es in meinem Kalender.
Aber manchmal kommt es anders. Da stehen die Frauen am leeren Grab und sind irritiert, erschrocken sogar. Sie hatten vor, auf den Friedhof zu gehen. Schon auf dem Weg sprachen sie kaum ein Wort miteinander. Zu tief saß noch der Schock. Zu tief saßen die Bilder von den Qualen am Kreuz. Das Bild vom Tod Jesu, es hatte sich eingeprägt. Aber nun war er weg. Kein Leichnam. Dabei hatten sie sich vorbereitet und wohlriechende Öle mitgebracht. Alles, was es braucht für den Tod. Stattdessen hören sie fremde Menschen sagen: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier. Er ist auferstanden!“ So heißt es im Monatsspruch im Ostermonat April.
Irgendwie haben sie sich auch in der Adresse geirrt, die drei Frauen. Und sie können nun ihren Kram wieder mitnehmen und höchstens aufgeregt erzählen, was sie erlebt und gehört haben. Und langsam erinnern sie sich auch an manche Worte Jesu, die sie nicht glauben konnten oder überhört haben. Und langsam müssen sie es sich selbst zusprechen: Das Grab war leer. Er ist auferstanden. Und langsam wird daraus Gewissheit im Glauben: Er ist nicht hier. Er ist auferstanden! Das Grab ist nicht die letzte Adresse.
Für unseren Verstand ist es schwer zu begreifen. Wir suchen den Lebenden noch oft genug bei den Toten. Aber Jesus ist dort nicht. Auch wenn die Naturgesetze ihn für tot erklären. Wir finden den Auferstandenen in der Freude des Lebens. Vorausgehend in eine neue Zukunft. Als Begleiter nach Emmaus, der da ist, zuhört und Gemeinschaft stiftet. Gott ist das Leben so wichtig, dass er es rettet vom Tod. Und das bedeutet, dass wir Menschen bei ihm Leben haben werden. Auferstehung heißt für uns, Gott akzeptiert den Tod nicht.
Das ist die Botschaft von Ostern. Das ist der Sieg des Lebens über den Tod. Das ist es, das Wunder, das keiner fassen und sich mit Vernunft nicht erklären lässt. Aber wer glauben kann, dass der Tod nicht das Ende ist, lebt anders. Für immer.
In diesem Vertrauen wünsche ich Ihnen ein gesegnetes und frohes Osterfest!
Wolfgang Krauß, Superintendent