Monatsandacht 02 / 2017
Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus!

Wer Muslimen begegnet, hört ihn noch oft, den Gruß „Salem“, Friede. Aus Märchen kennen wir die Begrüßung „Salem aleikum!“, Friede sei mit euch.
Juden grüßen sich mit „Schalom“, was auch „Frieden“ bedeutet und der gleichen Wurzel entstammt. Wir singen mit ihnen in unseren Gottesdiensten manchmal „Hevenu schalom alejchem“, wir wünschen Frieden euch allen.
Frieden ist in allen drei großen Religionen ein zentrales Wort. Jesus begrüßt seine Jünger „Friede sei mit euch.“
Was ist davon geblieben? Ab und zu der Friedensgruß beim Abendmahl. Oder man liest hin und wieder noch über der Eingangstür eines alten Fachwerkhauses: Bring Frieden mit, wenn du eintrittst!
Jesus ist noch so „altmodisch“ und bittet seine Jünger, dass sie Frieden wünschen und bringen, wenn sie ein Haus betreten, und er weiß natürlich, dass es nicht selbstverständlich und leicht ist. Frieden ist harte Arbeit. Solange es Menschen gibt ist er gefährdet, der Frieden. Es gibt mehr Feindschaft als Frieden. Es gibt mehr Streit als Eintracht. Es scheint einfacher zu sein, jemanden zum Gegner zu machen als zum Freund. Unfriede hat in dieser Welt in den vergangenen Monaten und Jahren zugenommen. Fremde haben es oft schwer, in unseren Städten friedliche und gastfreundliche Aufnahme zu finden. Das ist nicht zu übersehen. Das Klima ist auch in unserem Land rauer geworden.
Auch die Wahlkämpfe unserer Tage haben uns das gelehrt: Feindschaft scheint eine höhere Anziehungskraft zu besitzen als Frieden. Massenhaft gehen Hassbotschaften um die Welt.
Und trotzdem sehnen sich Menschen nach Frieden. Irgendwie ist es paradox. Es scheint wohl jeder nur „seinen Frieden“ und „seine Gerechtigkeit“ zu meinen. Darum hat das „Schalom“ in der Bibel auch etwas von der neuen Welt Gottes, die mehr ist als Waffenstillstand oder äußere Freundlichkeit. Jesu Anweisung ist also ein „göttlicher Wunsch“. Gott wünscht euch Frieden. Gott wünscht sich, dass wir Frieden bringen.
Der Monatsspruch aus dem Lukasevangelium redet nicht nur davon, sondern fordert auf: „Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus!“ (LK. 10,5)
Seine Jünger, von Stadt zu Stadt, Haus zu Haus ziehend, sollen das Evangelium verkündigen. „Wie Lämmer unter die Wölfe“ wurden dabei die Anhänger Jesu gesandt. Zugegeben, nicht die schönste Vorstellung, aber so sah die Erfahrung der frühen Christen aus. Da gab es Ablehnung und Interesse. Freundlichkeit und Hass. Und manchmal ging es auch um Leben oder Tod.
Es ist wie mit dem Glauben. Man kann ihn annehmen, und erfährt vielleicht ein Stück von Gottes Schalom, oder auch ablehnen.
Wir leben auch heute als Christen in einer Welt, die dem Evangelium meist gleichgültig, aber auch oft feindlich-ablehnend gegenübersteht.
Nicht nur in DDR-Zeiten musste Kirche sich bewähren, auch in unserem Land gilt es, Gott zu bezeugen. Und auch da gerät man oft auf unbekanntes, unangenehmes oder auch gefährliches Terrain. Vielleicht hilft es dann, Frieden zu wünschen. Offen und getragen von Gottes Frieden in jede Begegnung mit Menschen zu gehen. Selbst rhetorisch abzurüsten und anderen eine Chance zu geben. Gerade darum ist es mehr als einen Versuch wert, friedlich auf böse Worte zu reagieren. Mit dem Friedensgruß Gottes beginnt es.