Monatsandacht 11 / 2017
„Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein“ (Hes 37,27)

Als die alte Universitätskirche in Leipzig 1968 auf Betreiben Ulbrichts und nach Beschluss der SED-geführten Stadtverwaltung gesprengt wurde, sollte allen gezeigt werden: Hier wohnt kein Gott mehr! Hier sind jetzt andere Mächte am Wirken. Kein Kirchturm soll mehr nach oben zeigen, sondern die Herrscher sitzen in anderen Palästen. Alle Proteste halfen nichts. Viele Stundenten wurden exmatrikuliert oder inhaftiert. Ihre Zukunft war zerstört.
Immer wieder werden bis heute Gebäude symbolisch gesprengt, um die eigene Macht zu demonstrieren. Kirchen oder Moscheen bis hin zu den Tempeln in Palmyra. Genau so wurde auch der alte Tempel in Jerusalem geschleift. Nicht Jahwe sollte regieren, sondern die neuen Herrscher. Im Hintergrund solcher Gewalttaten stehen meist religiöse oder politische Krisen mit schlimmen Folgen für die Bevölkerung: Krieg, Vertreibung, Armut und tausendfaches Sterben unschuldiger Menschen. Alle Warnungen im Vorfeld wurden nicht gehört. Alle Aufrufe zum Frieden zertrampelt und überschrien. Geschichte wiederholt sich doch. So wie der Prophet Hesekiel einst umsonst warnte, so warnen heute wieder Forscher und Politiker vor der Zerstörung der Umwelt wie der Zerstörung eines friedlichen Europa durch nationalistische Kräfte. Vielfach umsonst. Wieder rennen Menschen und ganze Völker in ihr Unglück.
So lesen wir es auch in der Bibel: Gott warnt durch seine Propheten. Er straft, aber er verlässt sein Volk nicht. In diesem Zusammenhang steht der Monatsspruch für November: „Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein“ (Hes 37,27)
Es ist der trübe November mit Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag. Trauer und Tod liegen wie ein Schatten über dieser Zeit. Sie erinnert uns an die abertausend Toten der Weltkriege und daran, dass Kriege nicht vom Himmel fallen, sondern Wurzeln haben wie Nationalismus, zu großen Stolz und Ausgrenzungen anderer. Und nachdem eine nationalistische und rechte Gesinnung in unserer Gesellschaft wieder salonfähig werden, sollte der Volkstrauertag 2017 Anlass zur Mahnung und Erinnerung sein.
Zugleich brauchen wir auch neue Hoffnung und Vertrauen auf Gottes Gegenwart. So wie es der Prophet meint: "Gott will unter euch wohnen! Ihr seid nicht allein mit dem, was euch Angst macht!" Diese Botschaft ist Trost wie Auftrag zugleich, alle Angst im Glauben zu überwinden und nicht durch Hass zu ersetzen. Das macht Mut, alle Veränderungen anzunehmen, auch wenn sie uns oft Angst machen. Kirche schrumpft und altert. Wir sehen den Verlust und Abbruch kirchlicher Rituale und Traditionen in unserem Land, wir müssen unser Sonntagsgeläut verteidigen und um Konfirmanden werben. Ein Platz für Gott und seine Kirche ist nicht mehr selbstverständlich. Aber Gott will unter seinem Volk wohnen.
Ist ein Platz frei, haben wir einen Raum in der Herberge? Setzen wir uns dafür ein, dass Gott einen Platz bekommt und freuen uns auf die kommende Zeit im Advent. In diesen herbstlich dunklen Tagen ahnen wir schon etwas von dem Licht der kommenden Zeit und haben Hoffnung vor Augen: Gott wird Mensch und wohnt mitten unter uns. Machet die Türen auf und die Tore weit, dass der König der Ehre bei euch einziehe.