Monatsandacht 12 / 2016
Hoffen und Harren…

„Hoffen und Harren macht manchen zum Narren.“ So hat es Ovid in seinen „Heroiden“ formuliert. Das war vor Christus. Lange her. Aber kann ja sein, dass mancher von uns das Gefühl hat, Warten lohnt sich nicht. Da steht oder sitzt man herum und tut nichts. Kein gutes Gefühl. Das hat was von Ohnmacht oder Hilflosigkeit.
Trotzdem gehört es zum Leben, das Warten. Das Hoffen. Wir warten darauf, dass es anders wird als es jetzt ist. Wenn wir in der Unsicherheit unseres Lebens, in den Widrigkeiten und Unwägbarkeiten sehnsüchtig hoffen, dass da Einer ist, auf den wir unser Vertrauen setzen können. Oder wir warten auf eine gute Nachricht, auf eine positive Diagnose. Und jedes Mal, ob man nun den gerade eingetroffenen Brief öffnet oder ans Telefon geht, es bleibt die Ungewissheit.
Im Advent sind wir ziemlich sicher, dass es Weihnachten wird. Aber das Warten bleibt. Kommen die Kinder? Wird es weiße Weihnachten geben? Wird sich auch mein Partner über das Geschenk freuen? Wir hoffen alle darauf, dass es schön und friedlich werden wird. Warten kann auch schön sein.

Aber was passiert, wenn alles schiefgeht? Wenn man so in Schwierigkeiten oder in einer ausweglosen Situation ist, dass keine Hoffnung besteht? Was dann?
Dann bringt uns der Monatsspruch darauf, was man Glaubenshoffnung nennt, so wie es im Psalm 130 steht: „Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen.“ Aus der Meerestiefe ruft er, was wohl eine Depression versinnbildlicht. Durch die Nacht wacht da ein Mensch, der auf Gott hofft. Einer, der hofft, dass es wieder hell wird. Dass der Morgen, das Licht sein Leben bescheint.

Darum gibt es ja zu Weihnachten so viel Licht, weil Gott kommt. Weil Gott unsere Dunkelheit und Hoffnungslosigkeit ausleuchtet. Der ganze Himmel kommt zum Leuchten, um das Volk aus dem Dunkel zu führen. Zu Weihnachten stirbt die Hoffnung nicht, sondern wird geboren. Sie kommt als ein Kind in der Krippe und lässt es warm werden. Froh und offen für die Zukunft.
Das Warten hat zu Weihnachten ein Ende. Und unser Hoffen macht uns nicht zu Narren, sondern zu Gesegneten. Gott hat unsere Seelen erwärmt, wie das Strahlen eines Kamins im kalten Winter. Zu Weihnachten.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Christfest und ein gutes neues Jahr 2017!

Ihr Wolfgang Krauß, Superintendent